55 Jahre WTL - eine Erfolgsgeschichte!

1959 |war ein Dürrejahr. Die Wasserversorgung im Tecklenburger Land war fast zusammengebrochen. Tankwagen mussten die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser übernehmen. Die Wasserversorgung, besonders in trocknen Jahren, war nicht mehr zeitgemäß und völlig unzureichend.

Der Wasser-Notstand 1959 war Anlass, sich über eine moderne Wasserversorgung Gedanken zu machen:
und damit die Geburtsstunde des Wasserversorgungsverbandes „Landkreis Tecklenburg“.

28. Dez. 1959|die Gründung. Werner Rinke, damaliger Oberkreisdirektor und späterer Verbandsvorsteher, war die treibende Kraft, eine moderne Wasserversorgung im Tecklenburger Land zu organisieren. Er brachte die zahlreichen Gemeinden und Behörden an einen Tisch und als auch das Land NRW und der Kreis Tecklenburg
für dieses Projekt gewonnen werden konnten, stand einer zentralen Organisation nichts mehr im Wege.

Aufbau | Die Idee einer zentral organisierten Wasserversorgung fand immer mehr Anhänger – der Kreis der angeschlossenen Gemeinden erweiterte sich. Dieses Wachstum erforderte Investitionen in neue, leistungsfähigere Anlagen. Besonders im mittleren Kernbezirk, dem Bergbaugebiet des Tecklenburger Landes, musste investiert werden, denn hier war Wasser immer ein knappes Gut. Bei allen Investitionen wurde darauf geachtet, dass vorhandene Trinkwasserversorgungseinrichtungen in das neue System integriert wurden, um eine möglichst hohe Effizienz zu erreichen.

1969 | Mehr als 9.000 Häuser wurden bereits an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen und ca. 400 km neue Hauptwasserleitungen verlegt – eine große Leistung. Neue Brunnen wurden gebaut, vorhandene auf den neusten technischen Stand gebracht. Und auch die erste Wasseraufbereitungsanlage wurde geplant (Wasserwerk und Hochbehälter Riesenbeck).

Insgesamt investierte der WTL bis 1969 ca. 28 Mio. DM (ca. 14 Mio. EUR). Auch wenn bis 1969 erst 50% der Bevölkerung im Kreisgebiet an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen waren, hatten sich die Anstrengungen ausgezahlt, denn der Anschlussgrad konnte im Vergleich zu den 50er-Jahren verdoppelt werden.
1975 wird dem Kreis der angeschlossenen Gemeinden Rechnung getragen und der Verband erhält einen neuen Namen: „Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land“ (WTL).

1979 | konnte der „WTL“ bereits 95.000 Einwohner zu seinen Kunden zählen – das waren bereits ca. 70% der Gesamtbevölkerung! Das Versorgungsgebiet umfasste 819 km² die Leitungslänge betrug 900 km und die Anzahl der Hausanschlüsse lag bei rund 20.600. Der Ausbau ging jedoch stetig weiter. Der WTL entwickelte sich zu einem leistungsstarken Versorgungsverband und wurde zu einer festen Größe im Tecklenburger Land.

Als letzte Mitgliedskommunen wurden 1984/1985 die Gemeinden Ladbergen und Lienen (Ortsteil Kattenvenne) an das Leitungsnetz des WTL angeschlossen.

Der Wasserverbrauch stieg kontinuierlich: wachsende Industrieansiedlungen und der Mehrverbrauch der privaten Haushalte benötigten eine sichere Wasserversorgung. Mit fünf eigenen Wasserwerken Brochterbeck, Lehen, Lengerich, Tecklenburg und Riesenbeck) sowie Fremdwasserbezug aus den Wasserwerken Dörenthe (Betreiber Preussag, heute RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH) und Schollbruch (Betreiber Deutsche Bundesbahn, heute DB AG) konnte der WTL eine gesicherte Wasserversorgung auch in trockenen Jahren gewährleisten. Dazu wurde auch die Speicherkapazität von 600 m³ auf 6.900 m³ Wasser erweitert.

Im Oktober 1984 | wurde dann die modernste und größte Anlage des WTL in Betrieb genommen – das „Wasserwerk Brochterbeck“. Die Investitionssumme betrug 25,6 Mio. DM (ca. 13,1 Mio. EUR) und wurde zu 50% vom Land NRW finanziert.

1988 | konnte der neue Bauhof in Ibbenbüren-Laggenbeck den Betrieb aufnehmen. Somit gehörten langjährige Provisorien an der Nikestraße in Ibbenbüren und an der Papenbröke in Lengerich endlich der Vergangenheit an. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf 5,9 Mio. DM (3,0 Mio. EUR), wobei sich auch hier das Land NRW mit einem Zuschuss von 1,5 Mio. DM (0,8 Mio. EUR) beteiligte.

1989 | Fast 90% (30.000 Grundstücke) waren an das mittlerweile ca. 1.300 km lange Leitungsnetz angeschlossen. Damit wurden nach 30 Jahren Verbandsgeschichte ca. 90% der Bevölkerung im Tecklenburger Land aus der öffentlichen Wasserversorgungsanlage mit Trinkwasser versorgt. In den 80er-Jahren war es somit schon fast selbstverständlich, dass Trinkwasser jederzeit und ausreichend zur Verfügung stand. Am 01.04.1993 konnte dann das neue Verwaltungsgebäude in Ibbenbüren-Laggenbeck bezogen werden. Somit waren nach 34 Jahren erstmals in der Geschichte des WTL Verwaltung und Bauhof an einem Standort vereint. Das bis dahin genutzte Gebäude in Tecklenburg wurde an den Kreis Steinfurt als Eigentümer zurückgegeben. Um die Versorgungssicherheit für die Industrie und die Privathaushalte weiter zu erhöhen, wurde am 01.03.1997 dasWasserwerk Dörenthe gekauft.1999. Die Leitungslänge betrug 1.466 km und die jährliche Wasserförderung stieg auf rund 8,8 Mio. m³ und ein Ende des Wachstums war immer noch nicht in Sicht. 

Zur weiteren Erhöhung der Versorgungssicherheit kaufte der WTL daher folgerichtig am 01.09.2000 das Wasserwerk Schollbruch. Seit 2001 arbeitet der WTL auch mit den Stadtwerken Osnabrück zusammen, von denen er zusätzlich Trinkwasser bezieht. Dadurch wurde das Wassergewinnungsgebiet Brochterbeck entlastet und Orte wie Lengerich-Tiefzone, Lienen-Kattenvenne und Ladbergen konnten mit "weichem“ Wasser beliefert werden.
Anfang 2003 wurde das in den 1930-iger Jahren gebaute Wasserwerk Lengerich stillgelegt und zurückgebaut. Die noch aus 1928 und 1939 stammenden 28 Heberbrunnen des Wasserwerkes Brochterbeck wurden im Winterhalbjahr 2004/2005 durch 8 moderne Vertikalfilterbrunnen ersetzt.

2009 | Es wurden ca. 166.200 Einwohner im Tecklenburger Land über ein 1.638 km langes Leitungsnetz vom WTL mit Trinkwasser versorgt. Der Anschlussgrad lag bei 95 % und hat sich seit der Gründung des WTL vor 50 Jahren annähernd vervierfacht. Vom Versorger zum modernen, service-orientierten Dienstleister – der WTL ist seit dem aus dem öffentlichen Leben des Tecklenburger Landes nicht mehr wegzudenken.
Trotz öffentlicher Diskussionen setzten sich die Verantwortlichen dafür ein, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser kein privatwirtschaftliches, in erster Linie gewinnorientiertes Geschäftsmodell werden soll – anders, als bei der Stromversorgung  wäre dieses für den Kunden nicht sinnvoll.

2014 und Ausblick | 55 Jahre WTL – eine bemerkenswerte Entwicklungsgeschichte zum Wohle der Bevölkerung des Tecklenburger Landes! Heute ist das immer verfügbare Wasser aus dem Hahn für alle eine Selbstverständlichkeit - dass das nicht immer so war, haben viele schon vergessen. Ein Wassernotstand war die Geburtsstunde des WTL – und der WTL hat seit 50 Jahren dafür gesorgt, dass sich dieser Notstand nicht wiederholte. Und auch in Zukunft wird der WTL dafür "sorgen", dass das Tecklenburger Land mit dem „am besten kontrollierten Lebensmittel“ beliefert wird. Die straffe Verbandsstruktur und effiziente Verwaltung garantieren auch in Zukunft, dass Wasser für alle bezahlbar bleibt!

Heute werden ca. 162.500 Einwohner im Tecklenburger Land mit Trink- und Brauchwasser versorgt. Die Wasserförderung- und aufbereitung erfolgt in den vier eigenen Wasserwerken Brochterbeck, Dörenthe, Lehen und Schollbruch.
Daneben wird auch noch Trinkwasser von den Stadtwerken Osnabrück bezogen.
In 2013 lag die Wasserförderung einschließlich Wasserbezug bei rund 10,79 Mio. m³. Die Wasserverteilung erfolgt über ein Rohrleitungsnetz von 1.670 km. Hinzu kommen Hausanschlussleitungen mit einer Gesamtlänge von ca. 900 km. Zur Wasserspeicherung stehen im Versorgungsgebiet 12 Hochbehälter mit einem Gesamtvolumen von 42.910 m³ zur Verfügung.
Als größere Einzelmaßnahmen in den vergangenen Jahren sind die Errichtung der zentralen Leittechnik im Wasserwerk Brochterbeck, die Teilsanierung des Wasserwerkes Schollbruch und der Neubau des Brunnenfeldes Mitte mit 8 Vertikalfilterbrunnen am Wasserwerk Brochterbeck zu nennen.


Auch in den nächsten Jahren stehen erhebliche Investitionen an. So sollen u.a. das Brunnenfeld Süd am Wasserwerk Brochterbeck saniert, das Wasserwerk Dörenthe komplett neu errichtet und die Hauptwasserleitung zwischen dem Wasserwerk Dörenthe und dem Hochbehälter Rochus neu gebaut werden.